Modelleisenbahn 1:220 Spur Z auf 45cm Ikea-Tablett

Winterlandschaft Märklin Spur Z Gesamtansicht
Winterlandschaft Märklin Spur Z

Zu Beginn der Adventszeit überkam mich plötzlich der Gedanke, statt einen langweiligen Modelleisenbahnkreis unter dem Christbaum zu legen, aus meinem Fundus im Keller eine kleine richtige Modelleisenbahn mit Landschaft zu bauen.

Das Material habe ich seit bestimmt 35 Jahren eingelagert. Damals, als ich meine erste Märklinlandschaft im Maßstab H0 verkauft hatte, besorgte ich mir für den Verkaufserlös Schienenmaterial der Spurgröße Z, also 1:220 oder Miniclub, wie es im Märklinjargon heißt. Ja und da lag das Material dann ordentlich verpackt in einem Umzugskarton. Jahre später bekam ich zum Geburtstag eine Vitrine. Jetzt konnte ich meine Loks und Anhänger wenigstens anschauen, wenn sie schon nicht fahren konnte. Immer wieder mal habe ich bei ebay das eine oder andere Schnäppchen machen können. Das ist das Schöne, wenn man eigentlich nichts braucht, kann man so lange an Versteigerungen teilnehmen, bis man ein Teil dann wirklich billig bekommt.

Es hilft nicht, es muss gebaut werden

Also gut, der Drang, eine kleine Landschaft zu bauen, ging nicht vorbei. Schlimmer noch, er wurde bestärkt, als ich auf einer Internetseite Angebote für Minaturkomplettanlagen in Spur Z gesehen hatte. Ich dachte, was der kann, bringe ich auch hin. Na dann, ab in den Keller und schauen, was so an Styropor, Holz, Gips und Farbe rumlag.

Eigentlich alles da, bis auf eine Grundplatte. Warum nicht mal eine runde Anlage, viereckig kann jeder. Der Versuch eine Scheibe aus Styropor zu schneiden war eher suboptimal und wenig schön. Aber wo bekomme ich eine runde Holzplatte her, die um die 40 cm Durchmesser hat. Es gibt ja alles Mögliche, aber keine 40cm. Na gut, dann eben 45 cm, was sogar etwas schöner wäre, weil die Gleise dann nicht so am Rand kleben. Aber auch 45 cm nichts, einfach nichts zu finden. Dann doch ein Erfolg, der dann doch keiner war. Da bot einer eine Holzscheibe mit 45 cm an, blöd nur, dass das ein Baumstammstück mit einer Höher von 45 cm war.

Es gibt Tage, da spielt der Zufall doch mit. Ich war auf der Suche nach einem vernünftigen Schneidbrett für die Küche, als ich in den Suchergebnissen von Google das Bild eines runden Tabletts sah, das auch noch 45 cm Durchmesser haben sollte. Schnell drauf geklickt und ich kam bei Ikea heraus. Und tatsächlich, ein Tablett mit 45 cm Durchmesser für nicht mal 10,- Euro. Also, bei der nächsten Einkaufstour einen Schlenker zu Ikea und das Ding gekauft.

Im Modellbahnladen hatte ich noch Graspulver und Modellbahnschnee gekauft und schon saß ich im Keller und fing an zu basteln. Das Gleisbett wollte ich aus alten Korkresten machen. Wäre bezüglich Schalldämmung ideal gewesen, aber dieser alte Kork war derart bröselig, dass ich es schnell wieder verwarf. Aus dünnen Sperrholz mit der Laubsäge, die ich wohl vor 40 Jahren das letzte Mal benutzt habe, sägte ich das Gleisbett aus. Nicht besonders schön, aber o.k.

Gleisbett auf das Tablett kleben, Schienen drauf und erste Probefahrt. Na ja, meinen Loks tat die lange Standzeit nicht gut, die meisten ruckten nur kurz an und standen dann. Öl verharzt, also im Laufe der nächsten Zeit mal alle reinigen. Schon ein neuer Punkt auf der Agenda für 2018. Ein paar bewegten sich dann doch auf dem Gleisrund und ich sah, dass es gut war.

Die Bergelandschaft entsteht

Jetzt werden Modellbahnberge normalerweise in Spantenbauweise gebaut. Das war mir aber viel zu aufwändig für so eine kleine Anlage. Aus Styroporresten habe ich also mit einem heißen Draht die Verwerfungen erzeugt, die es in einem Gebirge geben könnte. Einfach mit dem Draht schräg durch die Styroporplatte fahren und dabei ein wenig hin und her wackeln. Erst mit einem Stück getestet und dann gleich in die Vollen. Gar nicht so schlecht. Häuschen probestellen und ich sah, dass es gut war.

Beinahe hätte ich die Tunnelportale vergessen. In meiner Schatzkiste fand ich noch zwei Portale für einspurigen Verkehr, genau was ich brauchte, Passt. Aus der zweistufigen Landschaft wurde eine dreistufige. Sieht doch schöner aus und deswegen habe ich das entsprechend verklebt.

Der Gipser ist am Werk

Tags darauf habe ich mich mit Gips über die Styroporlandschaft her gemacht. Ziemlich dünnflüssig muss er sein, damit die Suppe auch schön in die Ritzen läuft und damit die scharfkantigen Schnittkanten des Styroporgebirges weicher werden. Damit später die Farbe besser hält muss man darauf achten, dass die Gipsmasse wirklich vollständig alles abdeckt. Den Vorgang habe ich zweimal wiederholt. Mit dickerer Gipsmasse habe ich dann noch den kleinen Weg geformt, der, wenn alles fertig ist, oben am Berg bei der Kirche endet. Wieder gut trocknen lassen.

Malermeister Klecks kommt auch zum Zug

Der nächste Schritt war die Bemalung. Zunächst mit extrem verdünnten schwarzer Wasserfarbe aus einem billigen Malkasten die Felsen ungleichmäßig bepinselt. Streicht man über die Rippen quer, ergeben sich automatisch Stellen mit mehr und weniger Farbe, das die Struktur richtiger Felsen erzeugt. Trocknen lassen und das gleich mit brauner Farbe wiederholen. An den ebenen Stellen, die später mit Gras bedeckt werden, habe ich zusätzlich zu bräunlichen Grundton noch mit grün überstrichen. Wieder trocknen lassen.

Gras soll es auch in den Bergen geben

Begrasen ist ja eigentlich ganz einfach, wenn man die Beschreibung liest. Und tatsächlich, es ist einfach. Alles Stellen, an denen Gras wachsen soll werden mit stark verdünntem Holzleim bestricken. Dann nimmt man die Streugrasdose von Noch und schon geht’s los. Vorher habe ich den Tisch noch sauber gemacht, weil das Zeug nicht nur auf der Anlage landet. Mit ein bisschen Übung bekommt man da schöne Wiesen hin. In den Felsspalten wächst auch Gras, aber nur wenn man vorher Leim aufgetupft hat.

Der Weg zur Kirche wird auf die gleiche Weise hergestellt, aber statt Gras eben mit Modellbahnschotter, mit dem zuvor die Schienen eingeschottert wurden. Jetzt noch die Straßenlaternen setzen und leicht ankleben. Ebenso die Innenbeleuchtung für die Kirche. Noch ein paar Bäume aufkleben und schon ist die Anlage fertig. Nicht ganz, die paar Pferde und Menschen, die ich in einer Schachtel gefunden habe, geben dem Ganzen noch ein bisschen Leben.

Jetzt wird es endlich Winter

Ich wollte doch eine Winteranlage? Das mit dem Schnee ist so eine Sache. Macht man es richtig, müsste man den genauso wie das Gras aufkleben. Will ich aber nicht, denn wenn der Winter vorbei ist, soll es eine Sommeranlage sein. Also habe ich das Schneepulver nur ganz leicht aufgestreut. Das geht am besten auch mit einer Streugrasdose, eben nur mit Schnee. Der von Noch ist recht gut. Netter Effekt, der sich durch das aufstreuen ohne Kleber ergibt ist, dass von den Dächern das Pulver abrutscht und so hängen bleibt, als ob es richtiger Schnee wäre. Ich habe nur eine leichte Schicht über die Landschaft gereut, es ist eben Neuschnee und noch nicht richtig zugeschneit.

Fertig!

Insgesamt waren das vielleicht acht Stunden Arbeit über einen Zeitraum von einer Woche. Eine Woche deswegen, weil die Trockenzeiten dazwischen notwendig sind und ich nicht dauernd im Keller sitzen wollte.

Mit und der Familie gefällt die kleine Eisenbahn. Einziger Nachteil: nachdem ich gemerkt habe, dass mir das einerseits riesigen Spaß macht und andererseits mit das Handwerkliche locker gelang, bin ich jetzt drauf und dran, mir nach Jahrzehnten doch eine große Anlage zu bauen. Die Idee und einen Plan habe ich schon. Es wird eine Regalbahn, 250cm lang aber nur 50cm breit und – wie kann es anders sein – hat Ikea wieder mal das passende Regal. Da wird wohl ein Teil meiner Büroeinrichtung weichen müssen.

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